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“Unsere Entscheidung wird das Schicksal unseres Volkes bestimmen. Schlimmer aber wird das Schicksal sein, das wir uns aufbürden. Ja, wir werden verraten, wozu wir uns bekannt haben. Ja, wir werden zerstören, was uns heilig ist. Und: Ja, wir werden retten, was wir lieben."
Matasishad gan Djahid, Hoher Thaumatokrat vom Weg der Grauen Eule, im Jahr der Auslöschung

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Epilog L.o.P. XXVI - “Von Hämmern und Möwen”

Im Frühjahr beginnt der Kampf,
im Sommer halten wir stand,
im Herbst schlagen wir zurück,
im Winter ruhen wir.

- Altes Danglarisches Sprichwort über den Waldfürsten

EPILOG…………

Es war ein diesiger Morgen. Überhaupt schien es kein schöner Tag zu werden. Die morgendlichen Andachten wurden durchgeführt, die Märkte waren nur mäßig gefüllt. Bis zur Mittagsstunde wurden die Straßen immer leerer. Wenige trauten sich hinaus, da die Ausgangssperre selbst an diesem Tage verhängt wurde und die Khardin zu Ehren der Grundsteine nicht wenige Läuterungen vornahmen.

Der Tag der Grundsteine, ein Tag der Fröhlichkeit, der Besinnlichkeit, der Hoffnung und des Neubeginns. Dieser Tag war für Perlhafen, der sonst so lebhaften Stadt, ein Tag der Stille und der Furcht. Nur das Knistern der Flammen, das Schreien der Verbrennenden und die Choräle der Khardin waren zu vernehmen.

Und selbst der Blick hinaus aufs Meer konnte den sonst fröhlichen Bewohnern von Perlhafen keinen Trost spenden. Denn gerade dort zeigte sich die gesamte Macht des Kharad in Form eines metallenen Monsters, dessen Größe und Schrecken seinesgleichen suchte.

Die Stunden verrannen. Die Mittagszeit brach an. Eine Zeit, in der die Feierlichkeiten ihren Höhepunkt erreichten, eine Zeit, in der alle Khardin sich im Hause der Läuterung trafen, um ihre Lobpreisungen auf Kharad und Erbauer zu singen.

Kaum einer bemerkte das Segel, das bei aufbrechender Wolkendecke zu erkennen war. Keiner bemerkte das Schiff, das sich über den Horizont näherte und direkten Kurs auf den Hafen nahm. Selbst das metallene Monster schien zu träge und satt zu sein, um diesem Schiff mehr Beachtung zu schenken. Doch es kam rasch näher, und als es die Kharads Wille passierte, wurden Alarmrufe laut. Denn das Banner des Falghaten wehte im Wind, und am Horizont waren immer mehr Segel auszumachen.

Das Schiff fuhr in den Hafen ein und rammte fast die Kaimauer. Der Landungssteg wurde hinuntergelassen und knallte auf den steinernen Boden.

Es war der 08. Rumond im Jahre 995 des Erbauers, als Er über die Planken schritt. Seine Rüstung glänzte im durchbrechenden Sonnenschein, sein Banner wehte fordernd im Wind. Es war still, als Er den Steg verließ und Seinen Fuss auf SEIN Falghorat setzte. Für Sekunden schien dieser Schritt die Zeit anzuhalten, und es war, als ob das Schicksal selbst den Atem anhielt.

Er marschierte voran, Er erschlug die ersten, die sich Ihm in den Weg stellten, Er war zurückgekehrt und Er würde sich nicht aufhalten lassen.

Ihm folgten die Weißen Heerscharen des Erbauers, und auch wenn ihre Zahl gering war, so marschierten sie dennoch unbeirrt im Fahrwasser seines Ungestüms. Überall herrschten Unruhe und Verwirrung. Zum ersten Mal seit Monaten öffneten die Einwohner von Perlhafen ihre Fenster und blickten hinaus. Sie sahen Angst und Panik auf der einen Seite, und sie sahen Entschlossenheit und Standhaftigkeit auf der anderen.

Der Hafen wurde von Seiner Berührtheit fast allein genommen, und der erste Angriff überrumpelte die Khardin. Die meisten Schiffe der ersten Welle konnten anlanden und ihre Truppen entladen.

Argons Wahrhaftigkeit landete am westlichen Ufer und nahm das Westtor und Nordtor im Handstreich.

Im Osten landete die geballte Wut der Ydd und der Thalemannen, sowie die aufrechten und edlen Lomonder. Ihnen warf sich der erste Wachkader der Kharator entgegen um Sie vom Tor fernzuhalten. Denoch warfen die vereinten Truppen die Kharator in die Stadt und nahmen das östliche Tor. Die Khardin und Kharator waren gefangen, doch die Alarmeldungen waren unterwegs. Noch konnte niemand sagen, wie lange die Truppen aushalten würden. Denn Verstärkung war unterwegs.

Als die zweite Welle eintraf, gerieten die Kämpfe zu einem Hauen und Stechen. Viele Invasoren hatten sich verbarrikadiert, denn die Wut des Kharad kehrte in die Herzen der Kharator zurück und ihre Gegenangriffe waren hart und zielgerichtet. Und dann senkte sich sein Wille herab.

Es war in der Nachmittagszeit als Kharads Wille sprach. Es war in der Zeit, als die mächtigen Kanonen des Panzerschiffes die feindliche Flotte unter Feuer nahm und sie in Stücke schoss. Auch die Mauern und Stellungen der Kathul des Falghaten wurden von seinem Willen getroffen. Dort, wo die Kugeln einschlugen, wurden Leiber umhergeschleudert, zerbarsten Knochen und entflammten Häuser. Bald war Perlhafen ein Vorgeschmack der Hallen der Läuterung. Flammen zuckten gierig aus den Häusern und schlängelten sich durch die Strassen der Perle im Norden. Vor und im Hafen trieben die Ertrunkenen, neben den brennenden Knochen der Schiffe, die sein Wille gestraft hatte. Die zweite Welle schaffte es nicht, seinem Zorn zu entkommen.

Doch Er gab nicht auf, denn Er hatte vertrauen. Er verließ sich auf seine Kampfgenossen, das sie Ihn nicht im Stich lassen würden, und so trieb Er mit dem Orden und Seinen Bhan immer weiter auf das Haus der Läuterung zu. Er würde das Banner persönlich abreißen und Sein eigenes hissen, so hatte Er gesprochen.

Es war in der schlimmsten und blutigsten Stunde, als im Westen die Garden der Mechanisten gegen die Lomonder und Thalemannen drückten und blutige Ernte hielten. Es war in dieser Stunde, als mehr und mehr Kharator die Truppen des Falghaten in Perlhaften voneinander trennten und einkesselten. Es war in dieser Stunde, in der die Truppen des Argons das Nordtor aufgeben mussten und den Ansturm der Kharator mutig in den Strassen erwarteten. Es war in dieser Stunde, als Kharads Wille getroffen wurde. Es war in dieser Stunde, als das Schiff sich immer noch feuernd im Kreise bewegte und die Menschen von Perlhafen sahen, das sein Wille gebrochen werde konnte. Es war in dieser Stunde, als sich Einwohner erhoben und kämpften.

Die Kharads Wille schwamm noch, und die Segel der letzten Welle waren schon zu erkennen. Würde das Schiff auch diesen standhalten, dann hätte kein Mut der Welt gereicht, um dem Falghaten zu helfen.

Inzwischen waren der Falghat und sein Orden am Ziel angekommen, und hier trafen zum ersten Mal Khardin und Oradin aufeinander. Die Mittelländer, die den Kampf sahen, konnten nicht glauben, das dies früher mal ein gemeinsamer Orden gewesen war. Es war, als entlade sich jahrhundertelange Wut an diesem Ort. Die Pforten der Läuterung schienen sich genau hier zu öffnen, um die blutige Ernte gierig willkommen zu heißen. Der Falghat selbst durchbrach mit seinen Bhan die Linie und erklomm das Bollwerk, während der Orden keine Gnade walten ließ.

Aber ihre Kraft ließ nach. Viele dürsteten und waren verletzt, und keiner konnte sagen, wie dieses Gemetzel ausgehen sollte.

Doch so wenig der Mensch das Schicksal vorhersehen kann, so unaufhaltsam ist es in seinem Lauf. Als der Wille des Kharads sich wieder gegen die nächsten Schiffe wandte und somit die Stadt in Ruhe liess, als die Hoffnung beinahe zerbrach, wurde etwas anderes gebrochen. Das Geschoss durchschlug den vorderen Turm der Kharads Wille und entzündete die Pulverkammer. Donner klang auf, der wie ein Befreiungsschlag klang, als das Schiff sich brennend aus dieser Welt verabschiedete. Als der Wille gebrochen wurde und der Falghat das Banner des Kharads in den Staub warf und durch seines ersetzte; als die Menschen von Perl Hafen auf die Straßen strömten und Kind, Weib, Mann, Greis sich auf die Kharator stürzten, da erschollen die
Glocken aus den Häusern des Erbauers und der Läuterung; und Perlhafen ward befreit.
Die dritte Welle, geführt von den schon kampfermatteten Geirangern, räumte jeglichen Widerstand aus dem Weg. Obwohl die Strapazen der Seeschlacht und der Landgefechte sich in die Gesichter der Nordmänner eingegraben hatten, ließen sie ihre Verbündeten nicht im Stich. Sie zermalmten jeglichen Widerstand erbamungslos und brachten die eingekesselten Truppenteile wieder in Verbindung miteinander. Dann unterstützten sie die verbündeten Truppen an den Toren und hielten mit ihnen die letzten hoffnungslosen, aber nicht minder brutalen Angriffe der Mechanisten und Kharator auf.

Es folgte kein weiter Angriff von außen. Die Mechanistengarden sammelten sich zwar, aber unterließen jede Attacke. Fast die komplette angreifende Kharatorgarde im Norden und Westen, die so vortrefflich von den Argonauten abgehalten worden waren, ergaben sich schlagartig den Truppen des Falgathen, auf Befehl eines Khardin Okus Kyrill.

Das Schlachten hatte ein Ende. Im Kern der Stadt hatte die Macht des Falghaten gewütet und nunmehr obsiegt. Die Thalemannen und Lomonder hatten den Falghaten nicht enttäuscht. Sie hatten ihr Tor gehalten, gegen Kharator, die versucht hatten, aus Perlhafen zu entkommen, und gegen die wandelbaren Maschinenwesen der Mechanisten. Und ihre Götter waren ihnen hold, denn sie hatten kaum Verluste zu beklagen. Zwar war kaum einer unverletzt geblieben, aber die meisten lebten noch. Der Kharad hatte die Wut der Ydd und die Standhaftigkeit Lomonds zu spüren bekommen.

Im Norden und im Westen hatten die Argonauten nicht so einen schweren Stand wie die Truppen am Osttor. Zwar wurde das Nordtor eingerannt, aber hier konnten die Argonauten zeigen, wie standhaft auch ihre Truppen waren. Aber auch ihr Geschick mit dem Worte kam ihnen zu Hilfe, denn sie schafften es, sehr schnell die Herzen der Bevölkerung von Perlhafen zu erreichen. Auch war es Argons Wille, das die Kharator die Wahrheit erkannten, um sich zu ergeben. Dennoch hatten die Streiter Argons viele Verluste zu beklagen.Vor allem am Nordtor wurden die Kämpfe zwar in allen Ehren, aber mit allen Mitteln ausgetragen. Doch die Menschen von Perhalfen halfen, wo sie konnten.

Der Tag ging mit dem Durchbruch Argons im Westen zuende. Hier trieben sie einen Keil bis zu den eingeschlossenen Truppen des Überfallkommandos. So konnte der Orden und die vom Falghaten handverlesenen Bhantruppen bis zu den Eingeschlossenen vorstoßen.

Keiner hatte ahnen können, wie dieser Tag zuende ging. Viele waren gefallen. Kharads Wille hatte einen schrecklichen Preis gefordert. Doch ohne das selbstlose Opfer des Überfallkommandos wäre dieser Tag nicht möglich gewesen.

So begab es sich, das Lomond, Norderwall, Thorenth, Geiranger, Wenzingen, Arwia, Burgund und Danglar selbst eine Flamme entzündeten. Keine Flamme der Läuterung, sondern eine Flamme der Hoffnung, die es schaffte, den dunklen Griff der Khardin zu vertreiben.

Ein Tag, der für viele ein denkwürdiger Tag bleiben würde. Ein Tag, den der Falghat und Danglar niemals vergessen würden. Doch auch ein Tag, der aufzeigte, wie entschlossen der Kharad war, und das der Weg gerade erst begonnen hatte.

PROLOG………

In Perlhafen…

Tarbhan Drajak von Gargoth stand an den zertrümmerten Überresten einer Mauer von Perlhafen und blickte über den Wehrgang nach Süden.

„War ein harter Gang, alter Gargothe….!“
Drajak schnaubte und fasste sich an seine Seite, wo der Armbrustbolzen eines Kharator eingeschlagen war. Er blickte mit seinem müden Auge auf Von Threist und sah dann weiter, hoch zu dem Turm, auf dem der Falgath stand. Dann blickte er wieder nach Süden und beobachtete, wie weiße Flecken sich an der Harr sammelten.

„Der wird noch härter.“ seufzte Drajak „Siehst Du? Sie sammeln sich an der Flussbiegung und bauen dort ein Fort. Weitere Truppen werden bestimmt die Harr hochgeschickt. Wir können von Glück reden, wenn der Schnee dieses Jahr früh eintritt und der Fluss zufriert.“

Hagan von Threist nickte und rieb sich das Kinn. Im Hintergrund brannte die Stadt immer noch, obwohl alles daran gesetzt wurde, die Feuer unter Kontrolle zu bringen.

„Glaubst Du das Gerücht über die Khardin? Das sie sich auf unsere Seite stellen könnten?“
Hagan rülpste und nahm einen weiteren Schluck eines Nordmanngetränkes. Er reichte die Flasche Drajak.
„Ich glaube das mindestens so sehr, wie das der Kharad sich einfach ergeben wird.“
Drajak nahm einen grossen Schluck und rülpste ebenfalls. Dann nickte er.
„Du hast recht – denen zu trauen wäre ein fataler Fehler.“ Nach einer kurzen Pause blickte er Hagan fest in die Augen „Was meinst Du: wie wird es jetzt weitergehen?“

„Krat, alter Gargothe… Krat wird es jetzt hart treffen, sehr hart. Ich befürchte sogar zu hart. Vadim wird alles tun um den Kharad zu beschäftigen, aber Corvin und der Kharad sind eine unheimliche Allianz eingegangen.“
„Ich mochte dieses fette listige Schwein noch nie…“
„Aber knackige Tarq hat er um sich versammelt.“ grinste Hagan
Drajak hustet und zog seinen klammen Mantel zusammen.
„Wohl gesprochen. Wobei ich immer noch hoffe, das wir zumindest Julia von Tieritz auf unsere Seite ziehen können. Der Name Von Tieritz hat einen legendären Klang unter den Bhan.“
„Julia ist ebenso edel wie treu. Ich kann ihren Standpunkt sogar verstehen. Vielleicht hätte man sie auch zu einem Tarbhan machen sollen.“
Drajak brummte eine Zustimmung und blickte nach Osten.
„Vorkjev kann uns nicht helfen, die Rotwehr hat dort alles im Griff… verdammter Kharad. Dann noch Festenstein und die Entwaffnung der Danglar Garde.“
„Es muss ein harter Winter werden. Sonst nagelt er uns alles auf den Kopf was er hat.“

„Wenn es aber ein harter Winter wird, dann werden wir hungern und geschwächt sein. Ich hoffe die Entsatztruppen aus Burgund und Norderwall kommen rechtzeitig.“

Die beiden Tarbhan blickten sich an. Sie schwiegen, dann grinste Hagan:
„Wir werden hier bleiben und es aushalten. Wir werden ihnen so lange auf den Köpfen tanzen, bis wir im Frühjahr stark genug sind, ihnen gehörig Ihre berührten Hintern zu versohlen.“
Drajak nickte grimmig und blickte wieder gen Süden… Vadim, Du alter zäher Brocken, halte bloss aus. Der Falghat ist hier und wird kommen. Er wird kommen.

In Krat…

Lev blickte den langen steinigen Weg hoch, der sich durch die hohen Berge schlängelte. Dann grinste er zu Natolja. Sie lächelte sanft zurück.

Es lag Schnee, meterhoch. Die stählerne Armee des Kharad konnte den Pass nicht überwinden. Sie hatten also erstmal Ruhe, Ruhe vor dem Sturm, der bestimmt im Frühjahr beginnen würde. Aber Lev würde sein Versprechen halten, und Natolja ihres.

Sie trieben ihre Bhan und Gardisten an, die Mauern weiter aufzutürmen. All ihre Gedanken waren jetzt bei Vadim, der schon in harte Rückzugsgefechte mit den Heroden und den Kharator verstrickt war. Aber der alte Fuchs machte es ihnen so schwer wie möglich und ließ sich nicht wirklich auf eine offene Feldschlacht ein. Immer wieder täuschte er an und zog sich zurück, doch irgendwann würde er nach Krat zurückkehren müssen, denn seine Stadt würde er nicht fallen lassen. Das wusste Lev.

In Herodin…

Corvin stand auf dem kühlen Balkon und blickte gedankenversunken hinaus in die sternenfunkelnde Nacht. Aus dem Bett im Zimmer säuselte eine Stimme. „Was treibt meinen Herren um?“

Corvin nahm einen grossen Schluck aus seinem Kristallbecher und blickte zum Bett.

„Und es ist sicher, das ein Khardin sich auf die Seite der Invasoren gestellt hat?“
Ein leicht mißmutiges Seufzen war zuerst die Antwort, dann ein kleines Räuspern.
„Ich bin mir nicht sicher. Tatsache ist aber, das ein Khardin Okus die Kampfhandlungen hat einstellen lassen. Ich sah damit auch keine Veranlassung, weitere Gardisten zu opfern.“
Corvin drehte etwas an seinem grossen Siegelring. Er zupfte seinen teuren Mantel zurecht.

„Naja, was nützt es, sich um so etwas Gedanken zu machen, richtig? Der Kharad hat sein Versprechen, Krat an mich abzutreten, bestätigt.“ Corvins blick war klar und fest. „Meine kleine dornige Blume, ich habe einen Auftrag für Dich!“

Die hübsche Frau erhob sich und hielt Ihren Oberkörper mit einer der Decke bedeckt.
„Was verlangt mein Lehnsherr?“
„Du und Julia werdet nach Perlhafen aufbrechen und Alexej um eine Audienz ersuchen.“

„Aber wieso? Wollt Ihr aufgeben? Und gerade Julia! Sie ist wankelmütig, und wenn sie kippt, könnte sogar Claré umfallen.“

Corvin nippte kurz an seinem Glas.

„Aber mein Mädchen, wenn Julia in der Nähe des Usurpators stirbt, dann wird das Wellen schlagen, die selbst Vadim nicht verschonen. Es muss nur alles perfekt abgestimmt werden.“

Wenn Julia tot war, würde Clarés Wahnsinn Krat verbrennen. Corvins Einfluss unter den Bhan in Danglar würde um ein Vielfaches steigen. Es war nur wichtig, das die Verbindung des Falgathen mit Julias Tod plausibel war.

“Du hättest übrigens ruhig mehr verlangen können als 500 Scheckel.” raunte Corvin
“Klär die Finanzen mit Deiner Frau und jetzt kommt wieder ins Bett, mir wird kalt.” war die fast forsche aber zu erwartende Antwort.

Corvin lächelte verschmitzt, zog die Vorhänge wieder zu und wandte sich zurück zum Bett.

In Serion…

Die Preatoren saßen zusammen und tuschelten über das Unfassbare. Der Krieg, den sie so lange befürchtet hatten, war ausgebrochen. Preadin Okus Herbalag stand in der Mitte des Kreises aus Tischen und räusperte sich.
„Es ist eine Tatsache, das ein Khardin Okus die Wahrheit erkannt hat und uns bestätigt hat, was viele von uns schon insgeheim gewusst haben. Die Mechanisten sind auch Schöpfungen des Waldfürsten.“

Die Aufregung im Saal nahm zu. Das Tuscheln wurde lauter.

Der Okus hob beschwichtigend die Hände: “Bitte, meine Brüder und Schwestern, lasst mich reden.“

„Wir kennen den Khardin Okus und wissen ihn einzuschätzen. Auch wenn es ein ungewöhnlicher Zug war, so sollten wir nichts überstürzen. Ich denke, es wäre gut, ihn im Auge zu behalten und weiter zu befragen. Hinsichtlich dessen ist er kooperativ. Wer von den Anwesenden ist dafür, die Exkommunikation gegen diesen Khardin Okus aufzuheben?“

Etwas mehr als die Hälfte der Preatoren hob die Hand. Herbalag nickte. „So soll es sein, der Bann wird ausgesetzt.“

„Trotzdem sollten wir Vorsicht walten lassen. Der Khardin Okus ist gerissen und nicht zu unterschätzen.“

Ein zustimmendes Raunen ging durch die Halle.

„Letzter Punkt: Wie verhalten wir uns nunmehr? Jetzt, wo wir wissen, das der Wandelbare in den Mechanisten steckt?“

Preator Gorin von Tiefentaal erhob sich, einer der ältesten Preatoren und sogar Anwärter auf den Sitz des Pretors. Stille kehrte in dem Raum ein. Der Okus verneigte sich in Demut.

„Söhne und Schwestern des Erbauers. Ich weiß, welchen Groll Ihr hegt und welch Verlangen euch nunmehr umtreibt. Aber ich bitte euch inständig zu bedenken, was uns die Oradin aufgetragen haben. Wir müssen unsere Neutralität wahren…..“
Wieder raunte es in dem Saal.
„Ich weiß - dieser Zustand mit den Mechanisten ist unhaltbar. Aber noch unhaltbarer wäre es, wenn wir unser Heiliges Anlitz in dem Krieg, der nunmehr tobt, beschmutzen würden.“
Seine Stimme wurde lauter.
„Oder glaubt Ihr, das die Oradin das aus einer Laune heraus machen? Sie wollen uns und unsere Heiligkeit schützen! Sie wissen, das wir nach dem Konflikt mehr denn je gebraucht werden! Und was ist mit jenen, denen wir Hilfe verweigern, nur weil sie auf der falschen Seite standen? Sie würden uns nicht mehr verstehen, und unser Land wäre wieder mehr zerrissen als geeint.
Die Oradin haben das erkannt, und so schwer es mir fällt das zu sagen: sie haben recht. Sie werden einzig und allein die Verantwortung für diesen Krieg auf sich nehmen, damit wir unserem Volk weiterhin dienen können.“
Seine Stimme verlor sich etwas und klang niedergeschlagen und traurig „Sie werden es so tun wie die Begeher vor der Auslöschung. Das ist der hohe Preis, den wir zahlen werden, wenn die Zeit gekommen ist.“

Der Preadin Okus erhob sich aus seiner Demut und schluckte.

„Wer ist für die Neutralität?“
Die Hälfte aller Preatoren erhob die Hand.

Wieder schluckte der Okus. Er schloss die Augen bei dem, was er sagte.
„In Ermangelung eines Pretors werde ich nunmehr seinen Willen vertreten. Jedem Preadin sei es freigestellt, sich neutral zu verhalten oder Partei zu ergreifen.“
Wieder raunte der Saal.
„Aber sollte er Partei ergreifen, so wird er nach dem Konflikt für seine Verbrechen gerichtet werden. Wer stimmt dafür?“

Rund drei Viertel der Preatoren hoben die Hand. So war es beschlossen.

Eisig legte sich der Winter über Danglar, und auch wenn die Kämpfe ruhten, herrschte geschäftiges Treiben. Garden wurden erhoben und bewegt, Ränke wurden geschmiedet und die Figuren in Stellung gebracht.

Im Frühjahr würde es wieder beginnen.
Das Sterben, das Blutvergießen, das Wehklagen, der Krieg.